„Einmal Leben bitte“: ZDF-Film mit Podiumsdiskussion

18.10.18, Alexianer St. Joseph-Krankenhaus Berlin-Weißensee

Zur 12. Berliner Woche der Seelischen Gesundheit zeigte das Alexianer St. Joseph-Krankenhaus Berlin-Weißensee die ZDF-Produktion „Einmal Leben bitte“ am Donnerstag, 18. Oktober 2018 in einem Berliner Kino. Die anschließende Podiumsdiskussion wurde von einer Oberärztin des Krankenhauses moderiert.

Der Burn-out, das Thema des Film, war Gegenstand der anschließenden Podiumsdiskussion, durch die Uta Fürstenberg, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie und Oberärztin der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik, am Alexianer St. Joseph-Krankenhaus Berlin-Weißensee, führte.

Drei Fragen an die Ärztin:

Frau Fürstenberg, worauf liegt der Fokus der diesjährigen „Woche der seelischen Gesundheit“?

In diesem Jahr stehen die rund 200 Veranstaltungen in Berlin unter dem Motto „Gestresste Gesellschaft, was tun?“ Die Aufklärung und Information über psychische Krisen stehen – wie in jedem Jahr – im Fokus. Es geht darum, Entstigmatisierungsarbeit zu leisten, zu entängstigen und Menschen dazu zu ermutigen, sich Hilfe zu suchen.

Wie realistisch ist der Film „Einmal Leben bitte“, der als Beitrag für die Woche der Seelischen Gesundheit ausgewählt wurde?

Der Film stellt die Entwicklung eines Burn-outs realistisch und nachvollziehbar dar. So werden die verschiedenen Phasen des Burn-outs deutlich. Der Anspruch, vieles schaffen zu wollen – die Aufgaben im Hotel, in der Familie als Ehefrau, Mutter und Tochter – sind gut herausgearbeitet. Auch der Wunsch nach Anerkennung wird sichtbar. Die Leistungserhöhung, eine wichtige Phase der Erkrankung, ist ebenso erkennbar wie der erhöhte Energiebedarf, um die Leistungen weiter erbringen zu können.

Bleiben die Rahmenbedingen unverändert, kommt es zum Rückzug. Erste Beschwerden wie Vergesslichkeit und Fehlhandlungen treten auf. So legt beispielsweise die Protagonistin im Film versehentlich ihre Handtasche in den Kühlschrank. Allmählich stellen sich psychosomatische Beschwerden ein: Die Protagonistin kämpft mit Schwindelgefühlen, Magenbeschwerden, einer Hörminderung und Geschmacksstörungen, die dadurch sichtbar werden, dass sie nicht mehr in der Lage ist, Salz zu schmecken. In der Phase der Hoffnungslosigkeit stellt sich die Protagonisten schließlich die Sinnfrage.

Was kann der Zuschauer lernen?

Der Film thematisiert Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten von Burn-outs und möchte Betroffene dazu ermutigen, sich Unterstützung und Hilfe zu suchen. In unserem Haus beispielsweise bietet die Tagesklinik St. Hildegard Unterstützung für Betroffene mit Versagens- und Erschöpfungszuständen an. Burn-out ist, wie andere psychische Erkrankungen auch, in Bezug auf das Individuum und seine Erfahrungen zu sehen. Die individuelle Lebensgeschichte eines Betroffenen ist also von besonderer Bedeutung. Der Zuschauer sieht deutlich, dass sich unter anderem der Tod des Vaters auf die Protagonistin ausgewirkt hat, denn nach dessen Tod übernimmt sie unbewusst Teile seiner Rolle. Im Rahmen der gezeigten vollstationären Behandlung wird der Protagonistin ein Verständnis für ihre Symptome nähergebracht. Sie wird also in die Lage versetzt, getroffene Entscheidungen zu überdenken und neue zu treffen. Zudem gibt der Film einen Einblick in Strategien, die in Belastungssituationen kurzfristig helfen, zum Beispiel Ruhepausen und Momente der Entspannung.