„Es ist normal, verschieden zu sein“ - 15 Jahre Psychose-Seminar in Berlin Pankow

Unter diesem Motiv läuft das Psychose-Seminar 2019. Bild: Matthias Illner/Worte: Carsten Haupt

, Alexianer St. Joseph-Krankenhaus Berlin-Weißensee

Am 8. Januar 2020 begeht das Psychose-Seminar Berlin-Pankow sein 15-jähriges Bestehen. Psychose-Seminare sind trialogische Gesprächs- und Lernforen für Menschen mit eigener Psychoseerfahrung, für Angehörige und für Fachkräfte aus der Psychiatrie, die Menschen mit Psychoseerfahrung professionell begleiten. Als trialogisch werden psychiatrische Angebote bezeichnet, die drei Gruppen gleichberechtigt auf Augenhöhe einbeziehen. Alle gelten als Experten in eigener Sache – aus Erfahrung, Ausbildung und Beruf. Ein wichtiges Merkmal des Psychose-Seminars ist der Schutz der Anonymität seiner Teilnehmerinnen und Teilnehmer.

Eine Psychose ist eine tiefe existenzielle Krise. Wahrnehmung, Sprache und Denken sind verändert. Geräusche oder Stimmen können gehört, Bilder gesehen oder Berührungen verspürt werden. Die Gedanken sind eher sprunghaft, assoziativ und kreativ.

Jede Psychose ist einzigartig. Sie ist im sozialen Kontext des Betroffenen und in ihrer subjektiven Bedeutung zu betrachten. Ausmaß, Dauer und Häufigkeit psychotischer Symptome sind unterschiedlich. Niemand ist nur krank oder nur gesund.

Offene und tolerante Auseinandersetzung mit der Erkrankung

Das Psychose-Seminar Berlin-Pankow steht für eine offene, tolerante Auseinandersetzung mit der Erkrankung. Im Seminar verknüpfen sich Erzählen mit Zuhören, persönliche Erfahrungen mit authentischen Lebensgeschichten, Toleranz mit Kritik und die Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Perspektiven. Im trialogischen Austausch klären sich wechselseitige Zuschreibungen und Vorurteile. Befremdliches wird verständlicher, „Verrücktes“ macht Sinn.

Das Psychose-Seminar ist keine Lehrveranstaltung im üblichen Sinn. Es vermittelt keine Theorien zu Krankheitsursachen und Behandlungsmethoden.

Trialogisch festgelegte Themen

Das an jedem zweiten Mittwoch im Monat veranstaltete Seminar lebt von der offenen, vorbehaltlosen Diskussion der Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu den trialogisch festgelegten Themen. Diese reichen von Fragen nach dem Umgang mit Medikamenten, dem Sinn und Zweck von Diagnosen über Erfahrungen mit verschiedenen Therapieformen bis zur Zwangsbehandlung und weit über unmittelbar psychiatrische Probleme hinaus. Zwischen 30 und 50 Menschen nehmen regelmäßig teil.

Wichtiger Beitrag zur Entstigmatisierung

Menschen mit psychischen Erkrankungen werden noch immer auf unterschiedlichen Ebenen ausgegrenzt und stigmatisiert: in zwischenmenschlichen Beziehungen, am Arbeitsplatz, in der Nachbarschaft und häufig auch durch eine diskriminierende Darstellung in den Medien. „Psychoseseminare sind ein wichtiger Beitrag zur Entstigmatisierung. Sie basieren darauf, auf Augenhöhe über das Erleben der Trialogpartner zu diskutieren und tragen so zu einem tieferen gegenseitigen Verständnis bei. Unser Krankenhaus ist langjährig an diesem wichtigen Trialog beteiligt“, erklärt Dr. med. Iris Hauth, Ärztliche Direktorin des Alexianer St. Joseph-Krankenhauses Berlin Weißensee.

Seit 15 Jahren feste Größe im Versorgungsbezirk

Das Pankower Psychose-Seminar besteht seit 15 Jahren. Es wurde trialogisch gegründet, wird bis heute konsequent trialogisch vorbereitet und moderiert und ist eine feste Größe im Programm der Volkshochschule Berlin-Pankow.

Jubiläumsveranstaltung im Januar 2020

Am 8. Januar 2020 ist eine Jubiläumsveranstaltung geplant. Die Kraft des Trialogs beim Kampf gegen Vorurteile und das Werben für mehr Sensibilität und Toleranz in der Gesellschaft werden im Fokus stehen.

 

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